Pädagogisches Begleitmaterial

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Gesamtüberblick

„Drei Steine“: Ausgangspunkt zur schulischen Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus und Rassismus

In der autobiographischen Graphic Novel „Drei Steine“ beschreibt Nils Oskamp seine Auseinandersetzungen mit dem Rechtsextremismus. Die packende Erzählung aus Comicbildern und Sprechblasen berührt unmittelbar: Die LeserInnen werden in die Wahrnehmungen, Gefühle und Überlegungen von Oskamp hineingezogen und bekommen einen Eindruck des rechtsextremen Terrors aus Betroffenen-Perspektive. So bietet die Graphic Novel zahlreiche Anknüpfungspunkte für die schulische Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus und Rassismus.

Als Nils einem Mitschüler widerspricht, der die Auschwitz-Lüge propagiert, gerät er ins Visier der lokalen Neonazi-Szene. Rechtsextremismus und Gewalt bedrohen bald Nils’ Leben. „Drei Steine“ erzählt von den inneren Auseinandersetzungen eines Betroffenen von rechtsextremer Gewalt, sie erzählt von Freundschaft und schließlich von Oskamps ganz persönlichem Umgang mit dieser Gefahr.

Die existenzielle Bedrohung durch Rechtsextreme spielt sich in dem Kontext Schule, Clique und lokales Umfeld ab und damit in der Lebenswelt von Jugendlichen. Das Genre „Comic“ macht die autobiographische Erzählung für SchülerInnen verschiedener Bildungshintergründe leicht zugänglich. Es werden vielfältige Anknüpfungspunkte für die Vermittlung von Fakten und demokratischen Handlungsfertigkeiten geboten. Möglich wird das Erlernen von Kritik- und Urteilsfähigkeit und von sozialen Kompetenzen wie Empathiefähigkeit und der Fähigkeit des Perspektivenwechsels. Eben jene Kompetenzen, die zu den viel diskutierten Herausforderungen in der pädagogischen Arbeit mit Jugendlichen zählen.

Die zur Graphic Novel „Drei Steine“ entwickelten pädagogischen Begleitmaterialien umfassen ihrerseits drei „Bau-Steine“: (1) Klären, (2) Sensibilisieren und (3) Handlungsfähig werden. Sie können entsprechend des Baukastenprinzips einzeln oder in Kombination im Schulunterricht genutzt werden. Zielgruppe sind SchülerInnen aller Schultypen ab der 8. bzw. 10. Klasse.

I. Klären: Rechtsextremismus. Was ist das?

Oskamps Comic ebenso wie Aufkleber aus der Dortmunder Neonazi-Szene bieten den Ausgangspunkt zur kritischen Auseinandersetzung mit dem Rechtsextremismus. Die SchülerInnen erwerben Kenntnisse über rechtsextreme Einstellungselemente und Verhaltensweisen, werden sich über deren gemeinsamen ideologischen Kern bewusst und reflektieren die bedrohliche Bedeutung des Rechtsextremismus für den Einzelnen und die Gesamtgesellschaft. In der kritischen Auseinandersetzung mit Elementen des Rechtsextremismus können Vorkenntnisse und Erfahrungen von SchülerInnen aufgegriffen werden. Neben Einzel- und Partnerarbeit werden die Methode des Karussellgesprächs genutzt und werden Fragen aufgeworfen, um neben kognitiven, zugleich kommunikative Kompetenzen und Urteilsfähigkeit zu fördern. In einem zweiten Schritt wenden die SchülerInnen ihr erworbenes Wissen an, indem sie den zuvor erarbeiteten Elementen des Rechtsextremismus Bilder aus dem Comic zuordnen. Hierdurch wird ein fundierter Wissenserwerb ermöglicht. Folgende Unterrichtsstunden stehen zur Verfügung:

(a)   Rechtsextreme Ideologien. Kenntnisse aneignen (60 min). (Anker auf Seite 4 St, Stundenablauf im Überblick)

(b)  aufbauend auf (a) Rechtsextreme Ideologieelemente in „Drei Steine“ finden. Erworbenes Wissen anwenden (30 min, als Hausaufgabe möglich). (Anker auf Seite 9 wie angezeigten Titel)

II. Sensibilisieren: Die Auswirkungen von Rechtsextremismus und Rassismus

Es ist eine langjährige Forderung an die politische Bildung und die Präventionsarbeit: Die Perspektive der Betroffenen soll für pädagogische Kontexte fruchtbar gemacht werden, um gegen Rechtsextremismus zu wappnen und Betroffene zu stärken. Die Einheit übersetzt diese Forderung in die Praxis. Die Graphic Novel „Drei Steine“ ist aus der Perspektive von Nils Oskamp, der mehrfach Opfer rechtsextremer Gewalt wird, erzählt. Hieran anknüpfend wird sich im Unterricht mit exemplarischen Erfahrungsberichten von Betroffenen der „NSU“-Anschläge und Morde auseinandergesetzt und damit der Blick für Spezifka der Vorurteilskriminalität geöffnet. Die SchülerInnen erarbeiten die Auswirkungen von Rassismus auf den Einzelnen und erkennen, dass Diskriminierung und Rassismus nicht alleine von Rechtsextremen ausgehen müssen. Die Betroffenen erhalten durch diesen Zugang ein individuelles Gesicht. Abstraktes Wissen und Statistiken über rechtsextreme Gewalt und Rassismus werden in persönlichen Geschichten erfahrbar.

Betroffene erzählen. Auswirkungen von Rechtsextremismus und Rassismus feststellen, vergleichen und besprechen (60-90 min). (Anker auf Seite 11 wie der Titel (Stundenabklauf im Überblick.)

III. Handlungsfähig werden. Umgang mit Rechtsextremismus und Rassismus. Was kann ich tun?

1. Umgang. Was tun nach einem extrem rechten, rassistischen und antisemitischen Übergriff?
Nils Oskamp, der Comicautor, fand damals in den 80er Jahren kaum Hilfe, als er von Rechtsextremen bedroht und zusammengeschlagen wurde. Um Betroffenen von Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus zu helfen, gibt es heute Unterstützungsorganisationen und Handlungstipps.
Ziel der Unterrichtsstunde ist es, praktische Anleitungen zum Umgang nach einem Übergriff zu vermitteln und damit für die Bedürfnisse von Betroffenen zu sensibilisieren. Dafür erkunden die SchülerInnen handlungsorientierte, psychologische und rechtliche Zugänge. Darüber hinaus lernen sie verschiedene staatliche und zivilgesellschaftliche Institutionen kennen, die Ansprechpartnerinnen im Engagement für Demokratie sind und die Probleme der Diskriminierung, des Rassismus und des Rechtsextremismus angehen.
Neben der Kenntnisvermittlung geht es im Unterricht um die Vermittlung von Bürgerkompetenzen in der demokratischen Gesellschaft. Die SchülerInnen trainieren ihre Kommunikations-, Diskussions-, Argumentations- und Präsentationsfähigkeit und stärken ihre Urteilskompetenz. Das Unterrichtsthema ist für zwei unterschiedliche Kompetenzgruppen pädagogisch aufbereitet:

A Basic/Kompetenzgruppe I: Tipps für den Umgang zusammenpuzzeln (45 min). Anker auf Seite 18 basic 45 min

B Fortgeschritten/Kompetenzgruppe II: Tipps für den Umgang auswerten & präsentieren (60-90 min). Anker auf Seite 19 Mitte ; wie Titel (Fortgeschrittene...)

 
2. Aktiv gegen Rechtsextremismus und Rassismus (vertiefendes Zusatzangebot für Projektarbeit)
Die SchülerInnen lernen künstlerisches Engagement gegen Rassismus und Rechtsextremismus, für ein menschliches Miteinander kennen (von Oskamp und Videoclips) und werden selbst kreativ gegen Rechtsextremismus und Rassismus (z.B. mit Kurzgeschichten, Comics, Foto- und Filmbeiträgen). Die Unterrichtseinheit vertieft zuvor Erarbeitetes, aktiviert und stärkt gegen die manchmal übermächtig wirkenden Phänomene Rechtsextremismus und Rassismus und fordert damit auch zum Annehmen demokratischen Gestaltungsspielraums und zur Partizipation auf. Hier haben die SchülerInnen Gelegenheit, sich auszuprobieren und eigene Zugänge zum Thema zu finden.

Kreativ gegen Rassismus. Skripts schreiben, Videoclips drehen, Comics zeichnen (ab 90 min). Anker Seite 26 oben... Aktiv gegen Rechtsextremismus)

Klären

Rechtsextremismus. Was ist das? (90-120 min)

geeignet ab 8. Klasse

Kurzbeschreibung und Ziele

Ziel ist es, fundiertes Wissen über den Rechtsextremismus zu erlangen: Die SchülerInnen erwerben Kenntnisse über rechtsextreme Einstellungselemente und Verhaltensweisen, werden sich über deren gemeinsamen ideologischen Kern bewusst und reflektieren die bedrohliche Bedeutung des Rechtsextremismus für den Einzelnen und die Gesamtgesellschaft. In der kritischen Auseinandersetzung mit Elementen des Rechtsextremismus können auch Vorkenntnisse und Lebenswelten der SchülerInnen angesprochen werden.

Neben Einzel- und Partnerarbeit werden die Methode des Karussellgesprächs genutzt, Fragen aufgeworfen und Raum für Diskussion gegeben, um neben kognitiven zugleich kommunikative Kompetenzen und Urteilsfähigkeit zu fördern. In einem zweiten Schritt wenden die SchülerInnen ihr erworbenes Wissen an, indem sie den zuvor erarbeiteten Elementen des Rechtsextremismus Bilder aus dem Comic zuordnen. Hierdurch wird ein fundierter Wissenserwerb ermöglicht: Die SchülerInnen können rechtsextreme Einstellungen und Verhaltensweisen aktiv identifizieren und diese kritisch mit Bezug auf ihr eigenes Lebensumfeld reflektieren.

Stundenablauf (im Überblick)

(a) Rechtsextreme Ideologien. Kenntnisse aneignen (60-90 min): Der Thematik „Rechtsextremismus“ wird sich zunächst durch die Präsentation und Auswertung rechtsextremer Aufkleber (Link1_R und Link2_R) angenähert. Es folgt eine inhaltliche Erarbeitungsphase: Die SchülerInnen eigenen sich Wissen über Rechtsextremismus an. Unter der Fragestellung „Was ist Rechtsextremismus?“ beschäftigen sie sich mit typischen Einstellungselementen. Dafür bekommen sie Arbeitsblätter (AB); die Hälfte der Klasse bekommt AB1, die andere Hälfte AB2. Die SchülerInnen markieren wichtige Inhalte oder machen sich auf einem „Spickzettel“ Stichpunkte zu den Inhalten und stellen sich anschließend in Paaren die jeweils erarbeiteten Inhalte gegenseitig vor. Zur Förderung der kommunikativen Kompetenzen wird die Methode des Karussellgesprächs (LINK4_R: Erklärung/Anleitung) genutzt. Die erarbeiteten Informationen werden abschließend in der Klasse zusammengetragen, anhand eines Schaubildes (Tafel/Smartboard/Beamer oder OH-Projektor) festgehalten und reflektiert. Es werden rechtsextreme Verhaltenselemente im Schaubild im geleiteten Klassengespräch ergänzt.  

(b) Aufbauend auf (a) Elemente des Rechtsextremismus in „Drei Steine“ finden. Erworbenes Wissen anwenden (30 min): Die SchülerInnen bekommen eine tabellarische Auflistung der in (a) erarbeiteten Inhalte ausgeteilt. Sie ordnen den Elementen des Rechtsextremismus passende Bilder aus dem Comic zu. Abschließend werden die Ergebnisse in der Klasse zusammengetragen (Tafel/Smartboard/Beamer oder OH-Projektor) und im gelenkten Unterrichtsgespräch ausgewertet. Dieser Teil kann auch als Hausaufgabe bearbeitet werden, es reicht dann ein kurzer Abgleich der Ergebnisse.

Material

Für LehrerInnen: Rechtsextreme Aufkleber (Link1_R und Link2_R), Lösungsvorschlag (Link3_R), Methodenerklärung (Link4_R), Tabelle (Zusammenfassung): Rechtsextremismus. Einstellungselemente und Ausdrucksformen (Link7_R, leere Tabelle Link7a_R), Smartboard oder Tafel oder Beamer oder OH-Projektor.

Für SchülerInnen: Arbeitsblatt 1: Einstellungselemente Rechtsextremismus (Gruppe A/ Link5_R und Gruppe B/ Link6_R), Arbeitsblatt 2: Tabelle „Elemente des Rechtsextremismus und Comic-Bilder“ (Link8_R).

Stundenablauf (im Detail)

(a) Rechtsextreme Ideologien. Kenntnisse aneignen (60-90 min)

Einstieg: Es werden zwei rechtsextreme Aufkleber gezeigt (Smartboard oder OH-Projektor):

1. von der Skinhead Front Dortmund-Dorstfeld (LINK1_R)

2. von der Partei „Die Rechte“ mit dem Neonazi Siegfried Borchardt (LINK2_R).

Frage: Was sagen Bild und Slogan über das dahinterstehende Weltbild aus?

Der Aufkleber wird im gelenkten Unterrichtsgespräch ausgewertet.

Lösungsvorschlag (LINK3_R).

 

Überleitung durch LehrerIn: „Wir werden nun die Kernelemente des Rechtsextremismus kennenlernen. Dafür bekommen Sie Arbeitsblätter, es gibt zwei verschiedene Inhalte, so dass die Hälfte der Klasse AB 1, die andere Hälfte AB 2 bekommt. Auf den Arbeitsblättern finden Sie zentrale Informationen über rechtsextreme Einstellungen. Die genauen Arbeitsaufträge finden Sie auf dem Arbeitsblatt.“ Die SchülerInnen werden aufgefordert, ihre Ergebnisse im Paargespräch oder mit der Methode des Karussellgesprächs (Erklärung zur Methode Link4_R) auszutauschen.

 

Arbeitsblätter (AB) für die inhaltliche Erarbeitung:

(AB 1) Rechtsextreme Einstellungselemente (Gruppe A): Zum Arbeitsblatt (LINK5_R).

(AB 2) Rechtsextreme Einstellungselemente (Gruppe B): Zum Arbeitsblatt (LINK6_R).

 

Arbeitsaufträge

1. Lesen Sie den Text und bereiten Sie sich darauf vor, die zentralen Inhalte wiederzugeben. Markieren Sie sich wichtige Inhalte oder machen Sie sich auf einem „Spickzettel“ Notizen.

2. Stellen Sie sich Ihre Texte im Karussellgespräch vor und machen Sie sich Notizen zu den Ihnen berichteten Inhalten, so dass Sie diese auch wiedergeben können.

Gemeinsame Ergebniszusammenfassung „rechtsextreme Einstellungen“ und Diskussion rechtsextremer Verhaltensweisen: Erstellung eines Schaubilds

Das erarbeitete Wissen wird im Klassengespräch als Schaubild zusammengefasst. Die jeweiligen Einstellungselemente werden besprochen, dann wird der geeignete Begriff in die Tabelle durch eine SchülerIn bzw. die LehrerIn eingetragen. Abschließend werden die SchülerInnen aufgefordert, rechtsextreme Verhaltensweise zu nennen, die ebenfalls in das Schaubild eingetragen werden. Falls wichtige Aspekte von den SchülerInnen nicht genannt werden, kann die/der LehrerIn diese ergänzen.

 

Tipp: Um die rechtsextremen Verhaltensformen verständlicher zu machen, könnte zum Punkt „Mitgliedschaft oder Gruppenzugehörigkeit zu extrem rechten Organisationen“ ausgeführt werden: „Das können extrem rechte Parteien wie die NPD (nähere Informationen unter Netz gegen Nazis: http://www.netz-gegen-nazis.de/lexikontext/nationaldemokratische-partei-deutschlands-npd) oder ‚Die Rechte’ (nähere Informationen unter Netz gegen Nazis: http://www.netz-gegen-nazis.de/artikel/die-rechte-9232) sein; es können aber auch andere rechtsextreme Organisationen sein wie ‚Neonazi-Kameradschaften’ (nähere Informationen unter Netz gegen Nazis: http://www.netz-gegen-nazis.de/lexikontext/kameradschaften) oder sogar Musikbands.“ Oder zum Punkt „Verwendung von NS-Symbolen und NS-Personenkult“: Es wird beispielsweise das nationalsozialistische Hakenkreuz verwendet, eine Hitler-Büste aufgestellt oder eine Gedenkfeier zu Hitlers Geburtstag ausgerichtet.

 

Lösungsvorschlag: Schaubild, dass die zentralen rechtsextremen Einstellungselemente und Ausdrucksformen umfasst (LINK7_R, Schaubild leer: Link7a_R).

 

Das Kernergebnis besprechen: Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit

Abschließend werden Fragen aufgeworfen und Raum für Diskussion ermöglicht, um den gemeinsamen ideologischen Kern der erarbeiteten Einstellungs- und Verhaltenselemente zu identifizieren und damit ein grundsätzliche Verständnis des Rechtsextremismus zu erlangen. Gleichwohl kann in diesem Rahmen die bedrohliche Bedeutung des Rechtsextremismus für den Einzelnen und die Gesamtgesellschaft reflektiert werden. Möglich ist es auch, dass die SchülerInnen ihre Vorkenntnisse und mögliche Erfahrungen mit Rechtsextremismus einbringen. Folgende Aufgabestellungen und Fragen empfehlen sich:

 

  1. Finden Sie einen Oberbegriff, der die besprochenen Elemente möglichst passend zusammenfasst. Machen Sie hierzu Vorschläge!

Mögliche Lösungen: Respektlosigkeit vor dem menschlichen Leben, Ideologie der Ungleichheit der Menschen, Ideologie der Ungleichwertigkeit von Menschen, gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit etc. (Nähere Informationen zum Begriff „Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit (GMF)“ unter Netz gegen Nazis: www.netz-gegen-nazis.de/artikel/was-ist-gruppenbezogene-menschenfeindichkeit-10195).

 

  1. Warum greifen die Rechtsextremen Nils Oskamp an?

Mögliche Lösungen: Weil er sich gegen die Holocaustleugnung der Rechtsextremen in seiner Schule wehrt. Weil er sich gegen Rechtsextremismus wendet, z.B. indem er Aufkleber entfernt oder rechtsextreme Symbole zu friedlichen Aussagen hin verändert.

 

  1. Wen könnten Rechtsextreme außerdem angreifen? Warum?

Mögliche Lösungen: a) Politisch Andersdenkende, Menschen nicht-weißer Hautfarbe, Menschen mit Migrationshintergrund, Juden, Muslime etc. b) Weil sie deren Menschenwürde absprechen, sie für wertlos halten, sie diese Menschen für gefährlich halten, weil sie sich über sie stellen wollen etc. 

 

Mögliche Zusammenfassung und Schlussbemerkung

Gemeinsam ist allen besprochenen Elementen des Rechtsextremismus die Annahme, dass es den Menschen nicht gibt, sondern unterschiedliche Gruppen mit unterschiedlichem Wert.

Rechtsextreme betrachten bestimmte Menschen aufgrund ihrer Religion, Herkunft, ihren sexuellen Neigungen etc. als minderwertig, die als Eigengruppe bestimmte Gruppe als höherwertig. Deshalb kann man auch von einer Ideologie der Ungleichwertigkeit oder von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit sprechen.

 

Ergänzend: Wenn alle der besprochenen Aspekte zusammenkommen, handelt es sich um ein geschlossenes rechtsextremes Weltbild. Heutzutage haben in Deutschland relativ wenige Menschen ein geschlossenes rechtsextremes Weltbild. Allerdings können auch die relativ Wenigen – wie die Geschichte des Comics erzählt und aktuelle rechtsextreme Gewalt zeigt – für den Einzelnen und die Gesellschaft äußerst gefährlich sein.

Und: einzelne Einstellungen, etwa Rassismus und Antisemitismus, können auch Menschen haben, die kein geschlossenes rechtsextremes Weltbild besitzen. Extrem rechte Einstellungsmuster waren nicht nur während des Nationalsozialismus in Deutschland verbreitet, sondern sind auch heute noch in der Mitte der Gesellschaft anzutreffen. Wir können im Alltag mit ihnen konfrontiert sein, etwa wenn wir aufgrund unserer Religion, unseres Aussehens, unserer Sexualität oder unserer (vermeintlichen) Herkunft benachteiligt, ausgegrenzt oder sogar angegriffen werden. Nicht nur ein geschlossenes rechtsextremes Weltbild, sondern auch die einzelnen Einstellungen stehen einem respektvollen Miteinander im Weg und schaden dem Einzelnen und dem gesellschaftlichen Zusammenhalt. Sie stehen im Konflikt mit den Menschenrechten, der Demokratie und dem Grundgesetz.

 

Hintergrundinformation (Forschungsbefunde): Eine Forschergruppe der Universität Bielefeld hat festgestellt, dass Menschen, die Juden abwerten, mit höherer Wahrscheinlichkeit als andere auch Roma und Sinti, Behinderte und Muslime abwerten. Sie haben damit – wie die Forscher es nennen – ein „Syndrom der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit“ festgestellt.

Ungleichwertigkeitsvorstellungen können sich in unterschiedlicher Stärke zeigen: Mögliche Ausdrucksformen reichen von Diskriminierung über Ausgrenzung bis hin zu physischer Gewalt und Mord.

 

Hintergrundinformation (Grundgesetz): „Die Würde des Menschen ist unantastbar“, heißt es in Artikel 1 des Grundgesetzes. „Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“ Und weiter: „Niemand darf wegen seines Geschlechts, seiner Abstammung, seiner Rasse[2], seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden“ (Art. 3,3).

 

 

(b) Aufbauend auf (a) Elemente des Rechtsextremismus in „Drei Steine“ finden. Erworbenes Wissen anwenden (30 min)

Einstieg: „Im Comic wird Nils Oskamps Erleben dargestellt – wobei er und seine Umwelt immer wieder mit Rechtsextremismus konfrontiert sind. Sie bekommen jetzt als Arbeitsblatt eine Tabelle, in der Sie die bereits erarbeiteten Kernelemente des Rechtsextremismus aufgelistet sehen. Finden Sie bitte gemeinsam passende Comic-Bilder und tragen Ihre Fundstellen in die vorliegende Tabelle ein. Sie können dabei mit Ihrer/m SitznachbarIn zusammenarbeiten.“

 

Arbeitsblatt für die Anwendung des Wissens und seine Vertiefung:

Tabelle Auflistung „Elemente des Rechtsextremismus“ und Zuordnung der Comicbilder: Zum Arbeitsblatt/Tabelle (LINK8_R).

 

Arbeitsaufträge:

1) Finden Sie Comicbilder, die die besprochenen rechtsextremen Einstellungselemente und Verhaltensformen abbilden.

2) Tragen Sie Ihre Funde in die zutreffende Spalte ein, indem Sie die jeweilige Seitenzahl und Bildnummer notieren.

 

Ergebniszusammenfassung und Abschlussgespräch

Im gelenkten Unterrichtsgespräch werden die Beispiele zusammengetragen und besprochen. Die vorgefertigte Tabelle wird mit dem Beamer/OH-Projektor oder Smartboard an die Wand projiziert, und die Funde werden von der/dem LehrerIn oder einer/m SchülerIn eingetragen.

 

Mögliche Vertiefungsfragen

Vertiefungsfragen können die SchülerInnen dazu einladen, den Unterrichtsinhalt auf ihre Lebenswelten zu beziehen und ihre persönlichen Erfahrungen einzubringen. Beispielsweise können folgende Gespräche angeregt werden:

  1. Nils Oskamp hat besonders die Bezüge zum Nationalsozialismus und die Gewalttätigkeit des Rechtsextremismus in seinem Comic dargestellt. Welche ideologischen Aspekte oder Ausdrucksformen des Rechtsextremismus finden Sie persönlich besonders wichtig?

Stellen Sie sich zum Beispiel vor, Sie wollen einem Bekannten außerhalb der Klasse erklären, was Rechtsextremismus ist. Oder Sie wollen selbst eine Geschichte zu diesem Thema zeichnen oder verfassen.

  1. War Ihnen das Thema schon vor dem Unterricht bekannt?

Das könnte zum Beispiel über die Medien sein oder über Freunde und Bekannte oder über persönliche Erfahrungen.

Mögliche Lösungen: Offen.

 

Hinweise für LehrerInnen

  1. Es ist zu erwarten, dass es zahlreiche SchülerInnen (insbesondere in den Großstädten) gibt, die in dem Thema „Rassismus“ und „Diskriminierungserfahrungen“ einen persönlichen Schwerpunkt sehen (vgl. Vertiefungsfrage Sie könnten an dieser Stelle auf die Unterrichtseinheit „Umgang“ und möglicherweise interessante Materialien auf der Webseite „Drei Steine“ verweisen.
  2. Wenn Sie davon ausgehen, dass organisierte Rechtsextreme in der Klasse sitzen oder dass rechtsextreme Erlebniswelten in der Klasse eine dominante Rolle spielen, ist die Vertiefungsfrage 2 nicht zu empfehlen. Selbst wenn das Problem noch nicht eskaliert ist, sollte überlegt werden, ob auf externe Unterstützungsangebote zurückgegriffen werden kann (vgl. LINK Unterstützungsangebote/ gedrucktes Heft). In diesem Fall ist besonders darauf zu achten, dass andere SchülerInnen nicht Diskriminierungserfahrungen durch das Unterrichtsgespräch ausgesetzt werden.


[2] Heutzutage ist der Begriff „Rasse“ überholt und wird nicht mehr verwandt. Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Begriff, die zum Schluss kommt, von seiner Verwendung abzusehen, finden Sie unter: www.institut-fuer-menschenrechte.de/uploads/tx_commerce/policy_paper_10_und_welcher_rasse_gehoeren_sie_an_2_auflage.pdf (13.04.2016).

Sensibilisieren

Auswirkungen von Rechtsextremismus und Rassismus. Betroffene und Opferangehörige erzählen (60-90 min)[3]

geeignet ab der 8. Klasse

Kurzbeschreibung und Ziele

Es ist eine inzwischen langjährige Forderung an die politische Bildung und die Präventionsarbeit: Die Perspektive der Betroffenen soll für pädagogische Kontexte fruchtbar gemacht werden, um gegen Rechtsextremismus zu wappnen und Betroffene zu stärken. Die Einheit übersetzt diese Forderung in die Praxis. Die Graphic Novel „Drei Steine“ ist aus der Perspektive von Nils Oskamp erzählt, der mehrfach Opfer rechtsextremer Gewalt wird. Hieran anknüpfend wird sich im Unterricht mit exemplarischen Erfahrungsberichten von Betroffenen der Sprengstoffanschläge und Morde der rechtsextremen Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU)[4] und von Opferangehörigen auseinandergesetzt. Die SchülerInnen erarbeiten in Kleingruppen die autobiographischen Erfahrungsberichte, erkennen die spezifischen Auswirkungen von Rassismus und erlangen Kenntnisse über die Charakteristika von Vorurteilskriminalität. Sie erkennen auch, dass Rassismus nicht nur von Rechtsextremen ausgehen kann.

Die Betroffenen erhalten durch den autobiographischen Zugang ein individuelles Gesicht. Abstraktes Wissen und Statistiken über rechtsextreme Gewalt und Rassismus werden in persönlichen Geschichten erfahrbar. Die SchülerInnen versetzen sich in die Perspektive der Betroffenen und lernen Auswirkungen sowohl von rechtsextremer Gewalt als auch von Rassismus kennen.



[3] Je nach Gruppengröße.

[4] Nähere Informationen zu der rechtsextremen Terrorgruppe „NSU“ vgl. Hintergrundkasten unten.

Stundenablauf (im Überblick)

Betroffene erzählen. Auswirkungen von Rechtsextremismus und Rassismus feststellen, vergleichen und besprechen (60-90 min)  

Es wird der Trailer zu „Drei Steine“ gezeigt (Smartboard/Beamer Link2_S) und besprochen, um in das Thema „Auswirkungen von Rechtsextremismus und Rassismus“ einzuführen. Anschließend lesen die SchülerInnen den ihnen vorliegenden Erfahrungsbericht eines Betroffenen oder Opferangehörigen des rechtsextremen „NSU“-Terrors. Die SchülerInnen mit den gleichen Erfahrungsberichten finden sich in einer Kleingruppe zusammen, tauschen sich über ihre Eindrücke aus und bereiten gemeinsam ihr Personenposter vor. Dann werden die Personenposter im Raum ausgestellt. Die Gruppen platzieren sich nach einem kurzen Galeriespaziergang (auch Museumsrundgang) (Erklärung zur Methode: Link1_S) vor ihrem Poster und präsentieren szenisch einen besonders wichtigen oder charakteristischen Moment, der das Empfinden ihrer Person ausdrückt. Die Poster können auch mündlich erläutert werden. Nach dem Galeriespaziergang bzw. der Präsentation werden die SchülerInnen gebeten, abschließend noch einmal besonders wichtige Aspekte aus den Erfahrungsberichten zu benennen. Es wird sichtbar, dass sich die Erfahrungen der Betroffenen bzw. ihrer Angehörigen und die von ihnen erlebten kurz- und längerfristigen Auswirkungen zwar nicht gleichen, aber ähneln. Abschließend wird im Klassengespräch die spezifische Erfahrung der rassistischen Diskriminierung (Auswirkung auf Angehörige und Beeinträchtigungen für die gesamte Opfergruppe) besprochen und von der/dem LehrerIn auf die staatliche Reaktion auf dieses erkannte Problem verwiesen.

Tipp: Ausstellung. Die Personenposter können danach als Ausstellung eine Zeit lang im Klassenraum verbleiben.

Material

Für LehrerInnen: Trailer „Drei Steine“ (Link2_S), Smartboard oder Beamer.

Für SchülerInnen: Arbeitsblätter: 5 Erfahrungsberichte von Betroffenen und Opferangehörigen (Link3_S, Link4_S, Link5_S, Link6_S, Link7_S), Flipchart-/Posterpapier, Stifte, Kreppband oder Pinnadeln (zum Anbringen der Poster), Wand/Pinnboard/Tafel.

Details zum Stundenablauf

Betroffene erzählen. Auswirkungen von Rechtsextremismus und Rassismus feststellen, vergleichen und besprechen (60-90 min)  

Einstieg: Es wird der Trailer (Link2_S) zu „Drei Steine“ gezeigt und über die Stimmung des Trailers gesprochen: Wie haben Sie die Stimmung im Trailer empfunden?

Lösungsmöglichkeiten: Trauer, melancholische Stimmung, nachdenklich etc.

 

Überleitung durch LehrerIn: „Wir werden uns heute mit der Frage beschäftigen, was rechtsextreme Gewalt und was Rassismus mit Betroffenen macht – was also die Auswirkungen von Rechtsextremismus und Rassismus sind. Im Comic haben wir erlebt, wie Nils Oskamp körperlich verletzt wurde, sich traurig, wütend und hilflos fühlt, ja, wie er aus der Bahn geworfen wird. Sie bekommen jetzt Erfahrungsberichte von Opfern rechtsextremer Gewalt und Rassismus ausgeteilt. Sie stammen von fünf verschiedenen Personen – und entstammen alle einem Buch, das über Auswirkungen des rechtsextremen ‚NSU’-Terrors erzählt. Was ist der ‚NSU’? Einige von Ihnen haben wahrscheinlich schon von dieser rechtsextremen Terrorgruppe gehört.

Hintergrundinformation: Der rechtsextreme „Nationalsozialistische Untergrund“ (NSU) wurde der Öffentlichkeit im November 2011 bekannt, weil ein Video verbreitet wurde, in dem er die von ihm seit der Jahrtausendwende begangenen menschenverachtenden Morde und Anschläge verherrlicht, und weil bei zwei toten „NSU“-Mitgliedern (Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt) Waffen zur bis dahin ungeklärten Mordserie gefunden wurden. Von Rassismus angetrieben, ermordete und verletzte die rechtsextreme Gruppe gezielt Menschen mit Migrationshintergrund und Polizisten. Ziel der Terrorgruppe war es, Menschen mit ausländischen Familienbiographien in Angst und Schrecken zu versetzen.

Die Mord- und Anschlagserie wurde über ein Jahrzehnt lang nicht mit Rechtsextremismus in Verbindung gebracht, stattdessen wurde intensiv in den Familien der Opfer sowie bei Menschen mit ausländischer Familienbiographie ermittelt. Damit wurden die Opfer der Rechtsextremen verdächtigt, selbst kriminell und gefährlich zu sein. Sie wurden von den Ermittlern und später auch von den Medien und weiteren Teilen der Gesellschaft zu Tätern gemacht.

 

Lesen Sie Ihren Bericht und besprechen Sie ihn in der Kleingruppe, um dann gemeinsam ein Personenposter zu entwerfen und einen charakteristischen Moment, der das Empfinden Ihrer Person darstellt, zu überlegen. Abschließend präsentieren Sie ihre Ergebnisse vor der Klasse.“

 

Arbeitsblätter: Erfahrungsberichte von Betroffenen und Opferangehörigen (ein Erfahrungsbericht je Kleingruppe, etwa 3-6 SchülerInnen)

  1. Eine Betroffene des Sprengstoffanschlags in der Kölner Probsteigasse erzählt LINK3_S
  1. Der Bruder des ermordeten Theodoros Boulgarides (München) erzählt LINK4_S
  2. Die Ehefrau des ermordeten Mehmet Kubaşık (Dortmund) erzählt LINK5_S
  3. Die Familie der ermordeten Michèle Kiesewetter (Heilbronn) erzählt LINK6_S
  4. Die Tochter des ermordeten Abdurrahim Özüdoğru (Nürnberg) erzählt LINK7_S

 

Arbeitsaufträge

1. Lesen Sie den Textausschnitt.

2. Diskutieren Sie in der Kleingruppe folgende Fragen: Was hat mich überrascht, irritiert, nachdenklich gemacht?

3. Erstellen Sie in der Kleingruppe ein Personenposter (zu der/dem VerfasserIn des Textes). Halten Sie Ihre Ergebnisse in Stichpunkten fest. Notieren Sie auf unterschiedlichen Karten:

- Informationen zur Person (z.B. Name des/der VerfasserIn, Form des Attentats und ggf. Beziehung zum Opfer, Wohnort, Alter des/der VerfasserIn zum Zeitpunkt des Übergriffs, Geschlecht)

- verschiedene Auswirkungen (z.B. körperliche, psychische, materielle) mit anschaulichen Beschreibungen (z.B. „verlässt aus Angst nicht mehr die Wohnung“)

- Ursache der Beeinträchtigung (z.B. rechtsextreme Gewalt, Rassismus, Ausgrenzung)

4. Stellen Sie das Erleben Ihrer Person der Klasse vor.

Tipp: Zusätzlich können Sie einen charakteristischen Moment, der das Empfinden Ihrer Person darstellt, vorführen (z.B. eine Szene oder ein eingefrorenes Standbild).

 

 

Lösungsvorschlag: Folgendermaßen könnte ein Personenposter aussehen.

Personenposter

Ergebnispräsentation: Entweder präsentieren die einzelnen Gruppen das Erleben ihrer Person vor der Klasse oder mit der Methode des Galeriespaziergangs. Die Poster und Karten werden dafür an einer Wand, einem Pinnboard oder an der Tafel befestigt.

Zusätzliche Möglichkeit/Tipp: Nach der jeweiligen Präsentation stellen die SchülerInnen einen charakteristischen Moment im Erleben ihrer Person szenisch dar.

 

Das Kernergebnis besprechen: Anschließend wird das Charakteristische des Erlebens der Betroffenen von rechtsextremer Gewalt und Rassismus und ihrer Angehörigen zusammengetragen.

(1) Gibt es Gemeinsamkeiten im Erleben der vorgestellten Personen? Sind die Auswirkungen von rechtsextremer Gewalt und Rassismus ähnlich?

(2) Wovon sind sie genau betroffen, was setzt ihnen zu?

 

Lösungsvorschlag:

(1) Es wird deutlich, dass alle Personen unter massiven psychischen Beeinträchtigungen litten und sie aus der Bahn geworfen wurden. Das trifft sowohl auf die direkt vom Anschlag/Übergriff Betroffenen zu also auch auf die Angehörigen, die von Rassismus betroffen sind. Alle haben den Eindruck, ihr Leben nahm nach der Gewalttat einen negativen Verlauf.

Körperliche Auswirkungen sind bei direkt Betroffenen z.B. Verletzungen, auch eine Behinderung kann die Folge sein. Bei den Opferangehörigen rassistischer Delikte sind körperliche Auswirkungen auf psychische Schädigungen zurückzuführen, so bspw. das Auftreten einer Schuppenflechte. 

Psychologische Auswirkungen nach dem Übergriff sind u.a. verschiedene Formen von Ängsten, Antriebslosigkeit und Reizbarkeit.

Weitere Auswirkungen betreffen häufig den schulischen oder arbeitsweltlichen Bereich: Einige Betroffene und Angehörige verlieren ihre Arbeit oder brechen die Schule ab. Hinzu kommt eine weitere materielle Auswirkung: Durch den rechtsextremen Übergriff ist oft die Haupteinkunftsquelle der Familien weggefallen, die Familien waren plötzlich von Armut betroffen.

Alle Betroffenen und Opferangehörigen sind durch die rechtsextreme Gewalt beeinträchtigt, viele der Erfahrungsberichte erzählen zudem von Rassismus und Diskriminierung durch die Ermittlungsbehörden/Polizei und von Ausgrenzungserfahrungen in der Nachbarschaft und im Bekanntenkreis.

(2) Es wird auch deutlich, dass alle berichtenden Personen unter (2a) den rechtsextremen Taten litten und später unter (2b) den falschen Anschuldigungen durch die ermittelnden Behörden, sie seien in Kriminalität verstrickt. Durch das vorurteilsbehaftete Verhalten der Polizei (Verdacht, Opfer und Angehörige seien in Kriminalität verstrickt) und die psychischen Beeinträchtigungen der Betroffenen wandten sich Nachbarschaften und Freundes- und Familienkreis von ihnen ab.

Es wird (1 und 2) deutlich, dass Rassismus und Ausgrenzung nicht alleine von Rechtsextremen ausgehen müssen, sondern dass von rassistischer Gewalt Betroffene einer wiederholten rassistischen Diskriminierung ausgesetzt sein können.

 

Vertiefung. Abschließende Einordnung der Erfahrungsberichte und des Comics

Der/die LehrerIn erklärt: „Alle Personen, die wir betrachtet haben, werden durch die rechtsextremen Attacken massiv in ihrem Wohlbefinden beeinträchtigt. Zu körperlichen Verletzungen kommen Angst und Depressionen hinzu. Doch es gibt auch Unterschiede:

Die Familien von Nils Oskamp und von Michèle Kiesewetter fühlen sich nicht persönlich betroffen. So haben die Angehörigen der Polizistin Kiesewetter selbst keine Angst vor einem körperlichen Übergriff – wenngleich sie der Mord zutiefst erschüttert.

Die Situation der Betroffenen von Rassismus (wie auch von Antisemitismus) und ihrer Angehörigen hat demgegenüber eine weitere Facette:

- Weil die Gewalt einer spezifischen Gruppe gilt (Menschen mit ausländischen Familienbiographien, Muslimen, Juden...) und nicht allein dem individuellen Opfer, fühlen sich die Angehörigen und Mitglieder entsprechender Gruppen selbst bedroht.

- Die Erfahrungsberichte der Betroffenen der rechtsextremen Terrorgruppe „NSU“ und ihrer Angehörigen zeigen zudem, dass viele nach dem rechtsextremen Übergriff noch einmal Opfer rassistischer Diskriminierung wurden. Diejenigen mit ausländischer Familienbiographie wurden von den Ermittlungsbehörden verdächtigt, kriminell und gefährlich zu sein, und ihnen wurde unterstellt, sie würden nicht mit den Behörden kooperieren. Dieses (wiederholte) Erleben von Rassismus hatte schlimme Auswirkungen auf die Betroffenen.

Aufgrund der besonderen Wirkungsweisen von rassistischen und antisemitischen Straftaten spricht man hier von ‚Vorurteilskriminalität’. Diese wirkt auf die gesamte Opfergruppe und schädigt den gesellschaftlichen Frieden in besonderem Maße.“

Tipp: An dieser Stelle sollte der/die LehrerIn auch darauf hinweisen, dass die Politik reagiert hat: Es wurde infolge des Aufarbeitung der „NSU“-Verbrechen ein Gesetz zur besonderen Bestrafung von Vorurteilskriminalität verabschiedet, um dem Problem in Zukunft besser begegnen zu können.

 

Hintergrundinformation (Forschungsbefunde): Was ist Vorurteilskriminalität? Es handelt sich um eine kriminelle Handlung mit einem Vorurteils-Motiv: Der Täter hat sich sein Opfer ausgesucht, weil es mit bestimmten Merkmalen (z.B. Herkunft, Religion, sexuelle Orientierung) verbunden wird. Besondere Auswirkung: Vorurteilskriminalität hat einen starken Einfluss auf das direkte Opfer ebenso wie auf die Gruppe, mit der das Opfer identifiziert wird. Sie beunruhigt die gesamte Opfergruppe. Die Mitglieder der Opfergruppe fühlen sich insgesamt verletzbarer. Im Grundgesetz verbriefte Menschenrechte werden verletzt, die Opfer und Opfergruppen werden in besonderem Maße geschädigt und damit auch der gesellschaftliche Zusammenhalt und die sozialen Stabilität.

 

Hintergrundinformation (Strafgesetzbuch): Vor dem Hintergrund dieser Erkenntnisse und in Reaktion auf den „NSU“-Terror trat im Sommer 2015 ein Gesetz in Kraft, das Vorurteilskriminalität besonders bestraft:

„Beweggründe und (...) Ziele des Täters, besonders auch rassistische, fremdenfeindliche oder sonstige menschenverachtende“ sind bei der Strafzumessung zu berücksichtigen (StGB §46.2). Das bedeutet, dass die Staatsanwaltschaft ermitteln muss, ob solche Motive vorlagen. Die Gerichte lassen dies dann entsprechend in die Strafzumessung einfließen.

Handlungsfähig werden Umgang mit Rechtsextremismus und Rassismus. Was kann ich tun?

1. Umgang. Was tun nach einem extrem rechten, rassistischen und antisemitischen Übergriff?

A. Basic (ab 8. Klasse) oder B. Fortgeschritten (ab 9./10.Klasse)

Kurzbeschreibung und Ziele

Nils Oskamp, der Comicautor, fand damals in den 1980er Jahren kaum Hilfe, als er von den Rechtsextremen bedroht und zusammengeschlagen wurde. Um Betroffenen von Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus zu helfen, gibt es heute Unterstützungsorganisationen und Handlungstipps. Ziel der Unterrichtsstunde ist es, praktische Anleitungen zum Umgang nach einem Übergriff zu vermitteln und damit für die Bedürfnisse von Betroffenen zu sensibilisieren. Dafür erkunden die SchülerInnen handlungsorientierte, psychologische und rechtliche Zugänge. Darüber hinaus lernen sie verschiedene staatliche und zivilgesellschaftliche Institutionen kennen, die Ansprechpartnerinnen im Engagement für Demokratie sind und die Probleme der Diskriminierung, des Rassismus“ und des Rechtsextremismus angehen.

Neben der Kenntnisvermittlung geht es im Unterricht um die Vermittlung von Bürgerkompetenzen in der demokratischen Gesellschaft. Die SchülerInnen trainieren ihre Kommunikations-, Diskussions-, Argumentations- und Präsentationsfähigkeit und stärken ihre Urteilskompetenz. Das Unterrichtsthema ist für zwei unterschiedliche Kompetenzgruppen pädagogisch aufbereitet:

  1. Basic/Kompetenzgruppe I: Tipps für den Umgang zusammenpuzzeln (45 min). LINK
  2. Fortgeschritten/Kompetenzgruppe II: Fortgeschritten. Tipps für den Umgang auswerten & präsentieren (60-90 min). LINK

Stundenablauf (im Überblick)

Es wird in das Stundenthema eingeführt, indem im Klassengespräch reflektiert wird, wo und von wem Nils Oskamp Hilfe gesucht hat und wer ihm schließlich geholfen hat.

 

  1. A.  Basic (45 min):

Die SchülerInnen beschäftigen sich in Paararbeit mit Verhaltenstipps für Betroffene eines Übergriffs. Jedes SchülerInnenpaar bekommt dafür jeweils acht unsortierte Textabschnitte, die es nach der logischen zeitlichen Handlungsabfolge gemeinsam sortiert. Um die Ergebnisse später besprechen zu können, nummerieren die SchülerInnen die Abschnitte entsprechend der herausgefundenen Reihenfolge und finden Begründungen für ihre Reihenfolge. Abschließend werden beispielhaft Unterstützungsangebote, etwa Opferberatung und Antidiskriminierungsstellen, und Initiativen gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus im Netz gezeigt (Smartboard/Internetverbindung erforderlich).

 

Material

Für LehrerInnen: Lösungsvorschläge Einleitung (Link2_U); das vorliegende Arbeitsblatt (Tipps für den Umgang direkt nach einem Übergriff) (Link8_U) muss in acht Teile zerschnitten werden, um zum Puzzle für die SchülerInnen zu werden. Ggf. Smartboard und Internetverbindung

Für SchülerInnen: Arbeitsblatt/Puzzle: Tipps für den Umgang direkt nach einem Übergriff (Link8_U).

 

  1. B.   Fortgeschritten (insgesamt 90-120 min):

Die SchülerInnen erarbeiten zunächst in Einzelarbeit Möglichkeiten und Rechte von Betroffenen eines rechtsextremen, rassistischen oder antisemitischen Übergriffs. Die SchülerInnen beschäftigen sich mit: handlungsorientierten Verhaltenstipps direkt nach einem Übergriff, psychischen Folgen, rechtlichen Möglichkeiten, dem Täter-Opfer-Ausgleich oder mit konkreten Hilfsangeboten (je nach Lesekompetenz etwa 8-15 min). Das jeweilige Thema wird in der Kleingruppe besprochen und ein Überblicksplakat oder eine Power Point Präsentation erarbeitet (30-60 min). Abschließend werden die Kleingruppenergebnisse im Klassenverbund oder mit der Methode des Galeriespaziergangs vorgestellt und besprochen (je Kleingruppe 5-10 min, insgesamt 30-40 min). Das Stundenthema kann darüber hinaus durch angeleitete Internetrecherche vertieft werden: Hier können die SchülerInnen Hilfsangebote und Initiativen in ihrer Nähe oder Fakten zum Ausmaß rechtsextremer, rassistischer und antisemitischer Gewalt recherchieren.

Tipp: Ausstellung. Falls mit Plakaten gearbeitet wurde, können die Ergebnisse für einen gewissen Zeitraum im Klassenzimmer ausgestellt werden.

Material

Für LehrerInnen: Lösungsvorschläge Einleitung (Link2_U), ggf. Beamer/Smartboard und Internetverbindung

Für SchülerInnen: Arbeitsblätter: Möglichkeiten und Rechte von Betroffenen (Link3_U, Link4_U, Link5_U, Link6_U, Link7_U), Flipchart-/Posterpapier, Stifte, Kreppband oder Pinnadeln (zum Anbringen der Poster) oder Computer (zum Erstellen einer Power Point Präsentation), ggf. Internetverbindung

Details zum Stundenablauf (Basic und Fortgeschritten) Umgang. Was tun nach einem rechtsextremen, rassistischen oder antisemitischen Übergriff?

Einstieg: Die/der LehrerIn leitet in das Unterrichtsthema ein: „Nils Oskamp wurde mehrfach von Rechtsextremen körperlich attackiert.“

  1. Bei wem hat Nils Hilfe gesucht? (Ggf. genauer nachfragen:) Hat er Unterstützung bekommen? 
  2. Wer oder was hat ihm geholfen?

Lösungsvorschlag (LINK2_U)

 

  1. Basic:

Vorbereitung: Das Arbeitsblatt sollte vor dem Unterricht in je 8 Teile zu einem Puzzle zerschnitten werden und mit einer Büroklammer zusammengeklemmt werden. Dann können die Puzzlepakete im Unterricht einfach an die SchülerInnen verteilt werden.

 

Die/Der LehrerIn verteilt das Puzzle an die SchülerInnen. Die SchülerInnen werden aufgefordert, den Arbeitsaufträgen (ein Teil des zerschnittenen Arbeitsblattes) zu folgen und somit das Puzzle zu lösen.

 

Arbeitsblatt (in acht Teile zerschnitten): Tipps für den Umgang nach einem Übergriff (LINK8_U)

 

Arbeitsaufträge

1. Lest die Textausschnitte genau.

2. Sortiert gemeinsam mit eurem/r PartnerIn die Textausschnitte nach ihrer zeitlichen Abfolge (Was muss zu Beginn stehen, welcher Ausschnitt kommt als nächstes etc., was steht am Schluss?) und nummeriert sie entsprechend (von 1 bis 8).

3. Diskutiert mit eurem/r PartnerIn Begründungen für die Reihenfolge und macht euch dazu Stichpunkte.

 

Ergebnisbesprechung im geleiteten Klassengespräch: Die Ergebnisse werden im Seminar-/ Klassengespräch zusammengetragen, diskutiert und ggf. abgeglichen.

 

Lösung:

  1. Arbeitsaufträge (beachten)

Reihenfolge: Erste Tipps für den Umgang direkt nach einem Übergriff

  1. Grundsätzliche Tipps
  2. Unterstützung einfordern
  3. Verletzungen dokumentieren
  4. Schäden dokumentieren
  5. Gedächtnisprotokoll
  6. Anzeige erstatten
  7. Weitere Hinweise

 

Abschluss durch die/den LehrerIn

„Es war ein großes Glück für Nils, dass Tom ihm damals geholfen hat und die beiden sich angefreundet haben. Würden sich die Ereignisse von damals, in den 1980er Jahren, heute wiederholen, könnte Nils auf eine breitere Palette von Unterstützungsmöglichkeiten zurückgreifen. So gibt es heute beispielsweise unabhängige, vertraulich arbeitende und dem Interesse der Betroffenen verpflichtete Beratungsstellen. Mit deren MitarbeiterInnen können im persönlichen Gespräch rechtliche Möglichkeiten sowie psychologische und finanzielle Unterstützungsangebote besprochen werden.“

 

Einsatz von Smartboard/Internetverbindung:

„Ich möchte euch abschließend noch einige Beispiele zeigen:“

Links:

- Beratungsstellen für Betroffene von rassistischer, antisemitischer und rechtsextremer Gewalt gibt es in allen Bundesländern und in einigen Großstädten, z.B. die Opferperspektive Brandenburg in Potsdam: www.opferperspektive.de. Sie berät Betroffene von rechtsextremer, rassistischer und antisemitischer Gewalt, dokumentiert Gewaltdelikte und beobachtet entsprechende Phänomene.

- Antidiskriminierungsstellen gibt es auf Bundes- und Länderebene, manchmal auch in Großstädten, so z.B. die Antidiskriminierungsstelle des Bundes: www.antidiskriminierungsstelle.de. Antidiskriminierungsstellen sind nicht auf gewalttätige Übergriffe spezialisiert, sondern unterstützen Personen, die Benachteiligungen erfahren haben (z.B. rassistisch motivierte oder wegen einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität).

- Stiftungen für demokratische Zivilgesellschaft und gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus machen z.B. Bildungsprojekte, Informationsbroschüren oder organisieren Konzerte. Ein Beispiel ist die Amadeu Antonio Stiftung, die auch dieses Comic-Projekt unterstützt hat:  www.amadeu-antonio-stiftung.de.

 

Schlussworte durch LehrerIn: „Wenn Ihr Euch selbst weiter informieren wollt, dann könnt ihr auf die Webseite des Comics "Drei Steine“ gehen oder einfach den Links, die ihr auf einem Eurer Textabschnitte findet, folgen. Hier gibt es Informationen zu psychischen Folgen und Bedürfnissen nach einem Übergriff, zu rechtlichen Möglichkeiten, zur Möglichkeit des Täter-Opfer-Ausgleichs und Beispiele für konkrete Hilfsangebote.“

Tipp: Sie können den SchülerInnen abschließend die Webseite www.dreisteine.com zeigen.

 

 

  1. Fortgeschrittene:

Überleitung durch LehrerIn: „Es war ein großes Glück für Nils, dass Tom ihm damals geholfen hat und die beiden sich angefreundet haben. Würden sich die Ereignisse von damals, aus den 1980er Jahren, heute wiederholen, könnte Nils auf eine breite Palette von Unterstützungsmöglichkeiten zurückgreifen. Wir werden heute rechtliche und psychologische Möglichkeiten kennen lernen und uns mit konkreten Tipps und Unterstützungsangeboten für Betroffene von rechtsextremer, rassistischer und antisemitischer Gewalt beschäftigen.“

 

Arbeitsblätter: Tipps für den Umgang (je Kleingruppe 2-6 SchülerInnen)

1. „Erste Tipps für den Umgang direkt nach einem Übergriff“ (LINK3_U)

2. „Psychische Folgen und Bedürfnisse nach einem Übergriff“ (LINK4_U)

3. „Rechtliche Möglichkeiten: Von der Anzeige bis zum Strafprozess“ (LINK5_U)

4. „Täter-Opfer-Ausgleich“ (LINK6_U)

5. „Konkrete Hilfsangebote“ (LINK7_U)

 

Arbeitsaufträge

1. Lesen Sie den Text und markieren Sie wichtige Inhalte.

2. Diskutieren Sie die zentralen Aspekte in der Kleingruppe und überlegen Sie, wie Sie diese auf einem Überblicksplakat visuell ansprechend darstellen können.

3. Gestalten Sie ein Übersichtsplakat oder eine PowerPoint-Präsentation.

Tipps: Veranschaulichen Sie die Inhalte auf dem Plakat durch selbst gezeichnete Comicbilder oder Skizzen. Notieren Sie Stichpunkte für die Präsentation.

3. Stellen Sie Ihre Ergebnisse der Klasse vor.

 

Ergebnispräsentation: Entweder präsentieren die einzelnen Gruppen ihre Ergebnisse vor der Klasse per PowerPoint. Falls Poster gestaltet wurden, werden diese vor der Klasse vorgestellt oder mit der Methode des Galeriespaziergangs (Erklärungen zur Methode: LINK1_S) dargeboten. 

Die Poster werden dafür an einer Wand oder an der Tafel befestigt.

 

Vertiefung: Recherche im Internet

Wenn genügend Zeit vorhanden ist und entsprechende Geräte sowie eine Internetverbindung zur Verfügung stehen, kann das Stundenthema durch Recherchen im Internet vertieft werden: Die SchülerInnen bekommen die Aufgabe, im Internet Hilfsangebote in ihrer Nähe zu recherchieren (Gemeinde/Stadt, Region und Bundesland).

Auf dem Arbeitsblatt der Gruppe (5) „Hilfsangebote“ sind Internetlinks angegeben, anhand derer man sich einen anschaulichen Überblick über die dort vorgestellten Angebote verschaffen kann. Recherchetipps zu Hilfsangeboten speziell in Dortmund finden sich im Druckexemplar des Comics „Drei Steine“ und auf der Webseite: www.dreisteine.com (LINK).

Fakten und Daten zu rechtsextremen, rassistischen und antisemitischen Übergriffen können durch folgende Links eingesehen werden: www.opferperspektive.de/category/rechte-angriffe/statistik-ostdeutschland; www.tagesspiegel.de/politik/todesopfer-rechter-gewalt; https://www.mut-gegen-rechte-gewalt.de/news/chronik-der-gewalt/todesopfer-rechtsextremer-und-rassistischer-gewalt-seit-1990

 

Die SchülerInnen berichten abschließend mündlich, welche Hilfsangebote in der Nähe zur Verfügung stehen und was sie Interessantes bei ihrer Recherche entdeckt haben.

 

Zusammenfassende Schlussbemerkung durch die/den LehrerIn:

„Wir haben jetzt einen guten Überblick zu Möglichkeiten und Rechten von Betroffenen rechtsextremer Gewalt bekommen. Wer sich hierüber noch breiter informieren möchte, findet alle Arbeitsblätter auf der Webseite www.dreisteine.com ebenso wie einen Literaturverweis auf eine umfangreiche Broschüre der Opferperspektive Brandenburg“. 

 

 

Vertiefende Literatur zum Thema: Ausführliche Informationen über rechtliche Möglichkeiten finden sich in der Broschüre der Opferperspektive e.V. (Brandenburg). Hier finden Sie auch Muster wichtiger Formulare und Anträge: So für das Stellen einer Strafanzeige, für einen Antrag auf Beschränkung der Angaben (damit nicht die eigene Wohnanschrift bei der Polizei angegeben werden muss), für eine Dienstaufsichtsbeschwerde, eine Sachstandsanfrage sowie eine Beschwerde gegen eine Verfahrenseinstellung:

Opferperspektive e.V. (Hrsg.): Perspektiven nach einem rechten oder rassistischen Angriff – Ihre Rechte und Möglichkeiten. Potsdam 2014 (aktualisierte Fassung). www.opferperspektive.de/wp-content/uploads/2014/07/Perspektiven_2012_web1.pdf

 

 

Hintergrund: Traumatisierung und Retraumatisierung

Von Traumatisierung spricht man, wenn eine Person stark psychisch erschüttert und damit seelisch verletzt ist.  Sie wird durch ein traumatisierendes Erlebnis, etwa einen gewaltsamen Übergriff, Geiselnahme, Folter oder eine Vergewaltigung, ausgelöst. Diese Erlebnisse können bei Menschen extremen Stress verursachen, Gefühle der Hilflosigkeit und Angstzustände auslösen und zu psychischen Folgestörungen führen.

Menschen, die ein Trauma erlitten haben, können durch erneutes Erleben oder eine Wiederholung eines psychischen, seelischen oder mentalen Traumas retraumatisiert werden. Wenngleich meist ein ähnlicher Vorfall die Retraumatisierung auslöst, können Menschen auch durch Medienberichte, polizeiliche Ermittlungen oder Gerichtsverhandlungen retraumatisiert werden. Dies kann zu kurzfristigen, aber auch längerfristigen Beeinträchtigungen führen.

 

Hinweis: Da sich hier eher abstrakt und unterstützungsorientiert mit dem Thema rechtsextreme Gewalt auseinandergesetzt wird, muss man keine Bedenken haben, dass es durch den Unterricht zu möglichen Retraumatisierungen kommt. Allerdings kann der/die LehrerIn ggf. beim Thema „Gedächtnisprotokoll“ (betrifft die Gruppe, die „allgemeine Tipps“ vorstellt), darauf hinweisen, dass professionelle psychologische Unterstützung wichtig ist, um Retraumatisierungen zu vermeiden.  

Handlungsfähig werden. Umgang mit Rechtsextremismus und Rassismus. Was kann ich tun?

2. Aktiv gegen Rechtsextremismus und Rassismus. Skripts schreiben, Videoclips drehen, Comics und Cartoons zeichnen (ab 90 min) –

keine Unterrichtseinheit, sondern Projektarbeit zur Vertiefung der Inhalte

Alle Alters- und Kompetenzstufen (ab 13 Jahre/ ab 8. Klasse)

Kurzbeschreibung und Ziele

Die SchülerInnen lernen künstlerisches Engagement gegen Rechtsextremismus und Rassismus und für Demokratie und Menschenrechte kennen (von Oskamp und Videoclips). Sie werden selbst kreativ gegen Rechtsextremismus und Rassismus (z.B. Kurzgeschichte, Comics, Foto-, Filmbeiträge). Die Unterrichtseinheit vertieft zuvor Erarbeitetes, aktiviert und stärkt gegen die manchmal übermächtig wirkenden Phänomene Rechtsextremismus und Rassismus und fordert damit auch zum Annehmen demokratischen Gestaltungsspielraums und zur Partizipation auf. Hier haben die SchülerInnen Gelegenheit, sich auszuprobieren und eigene Zugänge zum Thema zu finden.

Ablauf (Überblick)

Als Einstieg werden die kreativen Antworten des Comic-Erzählers auf den Rechtsextremismus an seiner Schule herausgefunden und zusammengetragen. Anschließend werden, als Beispiel für kreatives Engagement gegen Rassismus, zwei kurze Videoclips gezeigt. Die SchülerInnen werden dann aufgefordert, selbst kreativ gegen Rassismus und Rechtsextremismus zu werden, für ein menschliches Miteinander. Sie sollen jede/r für sich einen diskriminierenden Moment überlegen. (Dafür haben sie insgesamt 5 min Zeit.) Dann besprechen sie den jeweils individuell notierten Moment in ihrer Kleingruppe (jeweils 3-4 Personen) und entscheiden, welches Erlebnis bzw. welche Idee von der Kleingruppe aufgegriffen werden soll. Gemeinsam überlegen sie, wie der ausgewählte Moment positiv gewendet oder aufgelöst werden kann (20-25 min Zeit). Wenn die Kleingruppe ihre Geschichte entwickelt hat, wird diese entweder als Comic gezeichnet, als Kurzgeschichte verschriftlicht, als Fotostory zusammengestellt oder als kurzer (ca.1 min) Videoclip (ggf. mit den TeilnehmerInnen als SchauspielerInnen) verfilmt (mindestens 30 min). Am Schluss werden die Ergebnisse ähnlich einem Poetry oder Book Slam vorgestellt. Das heißt, eine Person übernimmt – wenn die Ergebnisse vorliegen – die Moderation der künstlerischen Darbietungen der Kleingruppen. Die Kleingruppen haben jeweils eine bestimmte Zeitspanne (z.B. 2 min oder 5 min) Zeit, um ihre Produkte vor der Gesamtgruppe vorzustellen. Jede anwesende Person kann 1-5 Punkte je Darbietung vergeben (hierfür werden für jeden Beitrag verschiedenfarbige Zettel ausgeteilt). Die/Der ModeratorIn zählt abschließend die vergebenen Punkte aus und macht bekannt, welche Gruppe den „Slam“ gewonnen hat.

Tipp: Diese Einheit eignet sich gut für den Abschluss eines oder mehrerer Projekttage. Es sollte etwa ein halber Tag veranschlagt werden.

Material:

Notizblätter und Stifte, ggf. Mobiltelefone/Kamera und weitere Utensilien für den kreativen Gebrauch, Mikrophon für die Moderation, verschiedenfarbige Zettel

Verlauf (im Detail):

Einstieg:

Beispiel für Engagement gegen Rechtsextremismus:

Wie geht Nils Oskamp mit Rechtsextremismus um? Habt ihr Beispiele dafür entdeckt?“

(Ggf. differenzieren: Wie geht er als Jugendlicher und wie als Erwachsener mit Rechtsextremismus um?)

„Blättert den Comic noch einmal aufmerksam durch und notiert euch die entsprechenden Stellen. Dafür habt ihr 5 min Zeit. Dann tragen wir gemeinsam die Ergebnisse zusammen.“

Lösungsvorschlag (LINK9_U)

 

Beispiel für Engagement gegen Rassismus: „Nun schauen wir uns zwei kurze Videoclips zum Thema Rassismus an.“

1. Videoclip „Werbung gegen Rassismus“ – Flugzeug http://sodafilm.at/videos/ZARA_flugzeug.mp4

Unter dem Titel 3mal45 Sekunden Zivilcourage hat der erfolgreiche Filmemacher Jochen Graf drei kurze Werbespots für ZARA gedreht. Mehrfach ausgezeichnet ermutigen die Werbefilme dazu, in unangenehmen Situationen aktiv gegen Alltagsrassismus einzuschreiten! ZARA ist eine Wiener NGO für Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit.

2. Aus der Sammlung des Ratschlags für Demokratie (Berlin): www.berlinerratschlagfuerdemokratie.de/projekte/was-laberst-du-gegen-rassismus-und-diskriminierung/

Der Berliner Ratschlag für Demokratie versteht sich als ein breites Bündnis der demokratischen, bürgerlichen und zivilen Gesellschaft. Er wirbt bis hinein in „die Mitte der Gesellschaft“ für die zentralen Merkmale der demokratischen Stadtkultur in Berlin: für „Demokratie“, für „Vielfalt“ und für „Respekt“. Unter dem Titel „Was laberst Du?!“ stehen hier kurze Videoclips gegen Rassismus und Diskriminierung zur Verfügung.

 

Zusätzliche Empfehlung: Der Film Kurzfilm „Schwarzfahrer“ des Regisseurs Pepe Danquart über Rassismus stellt das Thema gleichsam ernst und humorvoll dar (1992, Berlin). Dieser Film ist in verschiedenen Längen unter Youtube abrufbar (in einer prägnanten Version von 3:38 min bis hin zur kompletten Länge von 12:18 min).

 

Überleitung zum Stunden-/Projektthema: „Im Videoclip wurde das Thema Rassismus aufgegriffen und der rassistische Ausgangspunkt kreativ gewendet und damit entkräftet. Jetzt seid ihr dran: Ihr seid gefordert, ein Statement gegen Rechtsextremismus und Rassismus zu entwickeln. Was das genau wird und wie ihr vorgeht, bleibt euch überlassen. Man kann zum Beispiel eine Kurzgeschichte schreiben, einen Videoclip drehen, eine Karikatur zeichnen oder eine Fotostory zusammenstellen.“

 

Arbeitsaufträge (als Arbeitsblatt LINK10_U)

1. Überlegt einen diskriminierenden Moment – dieser kann sich tatsächlich ereignet haben oder aber fiktiv sein. Macht euch hierzu eine kurze Skizze oder Notizen.

2. Besprecht euer Erlebnis/eure Idee in der Kleingruppe (3-4 Personen) und entscheidet, welches Erlebnis bzw. welche Idee von der Kleingruppe bearbeitet werden soll.

3. Überlegt gemeinsam, wie der ausgewählte Moment positiv gewendet oder aufgelöst werden kann.

4. Haltet eure Geschichte fest: Fertigt eine Comiczeichnung an, verschriftlicht sie als Kurzgeschichte oder dreht einen kurzen (ca.1 min) Videoclip (ggf. mit den TeilnehmerInnen als SchauspielerInnen).

 

Ergebnispräsentation und Austausch: Abschließend werden die Ergebnisse – wie oben beschrieben – vorgestellt.

 

Tipps: Wenn die Zeit es zulässt, können für den kreativen Teil durchaus mehr als 90 min vorgesehen werden und damit künstlerisch noch ausgereiftere Ergebnisse erzielt werden.

Die Einheit kann an alle der übrigen drei Unterrichtsstunden anschließen. Sie eignet sich in dieser Kombination auch als Abschluss eines oder mehrerer Projekttage zum Thema Rechtsextremismus und Rassismus.