Die Bedeutung der Drei Steine

Eine zentrale Rolle in der Geschichte von Nils Oskamp spielen die drei titelgebenden Steine, die er bei seinem Besuch des Jüdischen Friedhofs in Dortmund Dorstfeld mitnimmt. Für Oskamp werden diese Steine im Lauf seiner Erlebnisse zentrale Wendepunkte symbolisieren. Doch welche Bedeutung haben sie im Judentum?

Tatsächlich sind auf einem jüdischen Friedhof nur selten Blumen als Grabschmuck zu finden, stattdessen liegen Steine auf den Grabmälern. Diese sind im Judentum zunächst einmal ein Zeichen des Gedenkens: Selbst, wenn jemand nicht an der Beerdigung teilnehmen konnte, setzt er mit den Steinen doch ein Denkmal.

Eine weitere Erklärung für diesen Brauch findet sich in der Überlieferung: Schafhirten zählten in der antiken Zeit ihre Tiere mithilfe kleiner Steine in einem Lederbeutel. Starb ein Schaf, nahm der Schäfer einen Stein heraus – insofern ist das Ablegen eines Steins ein Symbol dafür, dass dieser niemals den Beutel hätte verlassen sollen, es steht für die Verbundenheit der Seele mit dem Leben.

Eine andere Erklärung bezieht die Tradition der Steine auf die nomadischen Ursprünge der Juden als Wüstenvolk: In der Wüste seien Erdbestattungen nicht möglich gewesen, stattdessen wurden die Toten unter einem Steinhaufen beigesetzt. Gleichzeitig schützten die Steine den Leichnam vor wilden Tieren. Besuchten Angehörige das Grab, bedeutete das Ablegen von Steinen also eine Erneuerung des Schutzes.

Eine vierte Erklärung sieht in dem Brauch eine Erinnerung an die Bestattungskultur des antiken Nahen Ostens: Die Toten wurden in Grabhöhlen zur Ruhe gebettet, deren Eingang ein runder Felsen verschloss. Kleinere Steine sollten verhindern, dass dieser wegrollte.

Da es zur Tradition des Steineablegens keine schriftlichen Überlieferungen gibt, wird sich ihr Ursprung wohl nie schlussendlich klären lassen. Klar ist aber, dass das Ritual heute ein Symbol dafür ist, die Toten nicht vergessen zu haben. Und eben jene Bedeutung ist auch für Oskamp zentral, als er den dritten Stein am Mahnmal der Widerstandskämpfer in Yad Vashem niederlegt.

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